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Neulich habe ich Nein gesagt

Von unverschämten Forderungen

Der Anrufbeantworter blinkt, schnell eben abhören. Eine energische weibliche Stimme fordert: „Bitte rufen Sie mich an! Telefonnummer, ich wiederhole …“ Könnt ja was Wichtiges sein. Also rufe ich umgehend an. Und was sagt diese Dame? Sie fordert mich auf, Geld zu spenden, und zwar gleich 300 Euro für ein Buchprojekt, das dem Schutz von Kindern dienen soll.

Ich muss zugeben, ich bin viel zu verdattert, um dieser Dame ausführlich die Meinung zu sagen. Zu mehr als einem „Nein, will ich nicht“ und Hörer auflegen komme ich nicht. Solch eine Unverschämtheit: Sie belästigt mich nicht nur am Telefon, nein, sie nötigt mich auch noch, meine Zeit und meine Telefongebühren zu opfern. Und warum? Weil sie etwas von mir will, und zwar mein Geld.

Über solche Dreistigkeit muss man fast schon wieder lachen. Jedenfalls bringt mich die Geschichte auf die Idee, mal über unverschämte Forderungen nachzudenken, mit denen wir tagtäglich konfrontiert sind. Wie gehen wir eigentlich damit um?

Bei abstrus unverschämten Forderungen ist es meistens einfach. Wir sagen: „Das ist doch die Höhe! Was fällt Ihnen eigentlich ein? Nicht in diesem Leben!“ Soweit, so gut. Aber wie ist es mit schleichenden Unverschämtheiten? Z. B. die Praktikantin, die uns einen Gesprächstermin abnötigt und dann kurz vorher absagt, weil „es ihr nicht passt“. Oder die Kollegin, die mit schöner Regelmäßigkeit und zuckersüßem Lächeln fragt: „Nimmst Du wohl heute die Briefe mit, Du kommst doch sowieso an der Post vorbei?“ Und das, obwohl es erstens ihr Aufgabenbereich ist und Sie zweitens einen Umweg fahren müssen. Wenn man sich einmal darauf eingelassen hat, fällt es schwer, ein Nein dagegenzusetzen. Aber das muss sein.

„Nein, der Termin lässt sich nicht verschieben.“ Keine Begründung.

„Nein, das musst Du heute selbst machen.“ Und nur auf Nachfrage: „Ich habe etwas vor.“ Ein bisschen geheimnisvoll dürfen Sie dabei schon gucken. Weitere Erklärungen sind kontraproduktiv. Damit Sie nicht in Verruf geraten, unfreundlich zu sein, gleichen Sie Ihre Hartnäckigkeit in Sachen Post mit Freundlichkeiten aus, wo es Ihnen nicht wehtut: „Soll ich Dir auch einen Kaffee mitbringen? Ich mache gerade eine Materialbestellung, brauchst Du auch etwas?“ Nur mit der Post bleiben Sie standhaft beim Nein.

Nicht weniger unverschämt, aber schwerer zu kontern sind manche Forderungen von Vorgesetzten oder Kunden. Mit der Hierarchie müssen wir leben, wollen wir unseren Arbeitsplatz behalten, und unsere Kunden, Klienten oder Patienten sollen ja wiederkommen.

Dennoch müssen wir ein klares Nein setzen, allein schon zum Selbstschutz.

In diesen Fällen bietet es sich an, eine Alternative vorzuschlagen. Anstatt zum x-ten Mal länger zu bleiben: „Heute muss ich pünktlich gehen. Um wie viel Uhr brauchen Sie die Unterlagen denn morgen früh genau? Um zehn? Das schaffe ich. Ich komme dann eine halbe Stunde früher und gehe morgen Abend dafür eher.“

Oder zum Klienten, der regelmäßig Beratungszeit „schindet“: „Ich sehe, Sie haben noch Gesprächsbedarf. Auf wann legen wir den nächsten Termin fest?“ Terminkalender aufschlagen, fertig. Keine weiteren Diskussionen.

Wir haben aus den unterschiedlichsten Gründen Angst, Nein zu sagen. Also üben wir es! Und dann geht es auch, wie folgender Ausspruch einer Mitarbeiterin zeigt:

„Stellen Sie sich mal vor, Frau Jülich, neulich habe ich Nein gesagt, und nix ist passiert.“

Brigitte Jülich, Erfolgscoach, Psychotherapeutin, www:erfolgorange.de

 

Nein2011.pdf